Wenn eine Bohrung nicht reicht: Zugang zu größeren Anschlussstellen

Korpusrückwand mit einem durchgehenden Langloch, darin zwei verriegelte Revisionsabdeckungen und dazwischen das Verbindungsteil

Eine 125-mm-Öffnung reicht für einen Anschluss. Sie reicht nicht mehr, sobald hinter der Rückwand mehr liegt als dieser eine.

Das ist in der Praxis eher der Normalfall als die Ausnahme. Eine Mehrfachsteckdose, an der Kühlschrank, Backofen und Dunstabzug gemeinsam hängen. Ein Netzteil mit Kabelstrang für die Unterbauleuchten. Steckdose, Netzwerk- und Antennendose nebeneinander an der Medienwand. Der Router hinter dem Sideboard, an den man zweimal im Jahr muss. Allen gemeinsam: Was dahinterliegt, ist breiter als die Hand, die danach greift.

Warum zwei getrennte Öffnungen die Sache nicht lösen

Der naheliegende Gedanke ist, zwei Revisionsöffnungen nebeneinander zu setzen, eine links, eine rechts. Geometrisch geht das — zwei Bohrungen mit 125 mm Durchmesser brauchen genug Abstand, damit zwischen den beiden Rahmen noch Material stehen bleibt. Genau dieses Material ist aber das Problem: Der stehengebliebene Steg sitzt quer vor der Mitte dessen, woran man eigentlich muss.

Bei einer Steckdosenleiste heißt das, dass man den ersten und den letzten Stecker erreicht und die dazwischen nicht. Beim Netzteil heißt es, dass man es sieht, aber nicht herausbekommt. Zwei getrennte Öffnungen geben zwei Ausschnitte — gebraucht wird aber eine Fläche, über die sich die Hand bewegen kann.

Bleibt die größere Bohrung. Lochsägen gibt es auch in 160 oder 200 mm, aber damit verschiebt sich das Problem nur: Eine runde Abdeckung jenseits von 150 mm ist eine große, frei gespannte Scheibe. Sie wölbt sich, sie liegt nicht mehr sauber auf, und die Rückwand verliert auf der Breite spürbar an Steifigkeit — gerade bei 3 bis 8 mm starken Platten, wie sie in Korpusrückwänden üblich sind. Und wer darüber hinausgeht, schneidet ohnehin frei Hand aus und steht danach ohne Bauteil da, das die Öffnung wieder sauber verschließt.

Zwei Bohrungen, eine Öffnung

Der Weg, der beides löst: zwei Bohrungen Ø125 mm in einem festen Achsabstand setzen und den Steg dazwischen heraustrennen. Was entsteht, ist ein Langloch mit 62,5 mm Radius an beiden Enden — eine durchgehende Öffnung, durch die man greifen und die Hand bewegen kann, statt zweimal punktuell hineinzufassen.

Das Verbindungsteil, das diese Öffnung wieder verschließt, gibt es in zwei Längen. Bei 175 mm Achsabstand entsteht ein Langloch von 300 × 125 mm, bei 225 mm eines von 350 × 125 mm. Als Anhaltspunkt aus der Praxis: Durch die kleinere Öffnung kommt man an einen Vierfach-Steckdosenrahmen heran, durch die größere an einen Fünffach-Rahmen.

Die Achsabstände muss man dabei nicht ausrechnen, und sie richten sich auch nicht nach dem, was dahinterliegt. Sie sind schlicht die Maße der Bauteile. Entscheidend ist, was dabei herauskommt: 300 oder 350 mm nutzbare Breite, in die sich einordnen lässt, was immer dort anzuschließen ist.

Langloch 300 × 125 mm in einer Korpusrückwand, beide Montagerahmen eingeschraubt und zur Mitte hin ausgeschnitten

Zwei Bohrungen, der Steg dazwischen entfernt. Die Rahmen sind zur Mitte hin ausgeschnitten.

Was beim Ausschneiden zählt

Zuerst anzeichnen, dann bohren. Beide Mittelpunkte auf der Rückwand markieren, bevor die Platte montiert ist. Vorher abnehmen, wo die Anschlussstelle tatsächlich sitzt und wie weit sie reicht — daraus ergibt sich auch, welche der beiden Längen die richtige ist. Ein Langloch sitzt entweder richtig oder gar nicht.

Die Bohrungen zuerst, der Steg danach. Beide Öffnungen mit der Lochsäge setzen, erst dann den verbliebenen Steg mit der Stichsäge heraustrennen. Umgekehrt fehlt der Lochsäge die Führung für den Zentrierbohrer.

Die Rahmen anpassen. An beiden Montagerahmen wird das zur Mitte zeigende Segment weggeschnitten, damit sie bündig an das Verbindungsteil anschließen.

Verbindungsteil zwischen den beiden Montagerahmen eingesetzt, Abdeckungen noch abgenommen

Das Verbindungsteil überbrückt den Mittelteil und wird zusammen mit den Rahmen eingeschraubt.

Warum zwei Abdeckungen statt einer langen

Verschlossen wird das Langloch nicht mit einem Deckel, sondern mit zwei runden Abdeckungen und einem Verbindungsteil dazwischen. Das hat drei praktische Gründe.

Jede Abdeckung bleibt bei 125 mm — handlich, formstabil, mit demselben Drehverschluss wie überall sonst. Man öffnet nur die Seite, an die man muss, die andere bleibt zu. Und wenn eine Abdeckung beschädigt wird oder die Farbe wechseln soll, tauscht man ein Standardteil, kein Sondermaß. Dasselbe gilt für die Länge: Beide Verbindungsteile arbeiten mit denselben Abdeckungen, nur der Mittelteil ist ein anderer.

Langloch mit einer verriegelten und einer abgenommenen Revisionsabdeckung

Jede Seite lässt sich einzeln öffnen. Die andere bleibt verriegelt.

Worauf sonst noch zu achten ist

Materialstärke. Wie bei der einzelnen Öffnung gilt der Bereich von 3 bis 19 mm. Bei dünnen Rückwänden lohnt der Blick darauf, dass die Platte rund um das Langloch noch irgendwo Auflage hat — 300 und erst recht 350 mm sind eine ordentliche Spannweite.

Schrauben. Pro Abdeckung vier Senkkopfschrauben Ø3 mm, dazu die Befestigung des Verbindungsteils. Die Länge richtet sich nach der Plattenstärke.

Ausführung. Die Verbindungsteile passen zur RP01125 in beiden Ausführungen, Standard wie Heavy Duty.

Hintergrund

Für diesen Fall gibt es die Verbindungsteile XT01175 und XT01225. Sie verbinden zwei RP01125 im Achsabstand von 175 beziehungsweise 225 mm zu einer durchgehenden Revisionsöffnung von 300 × 125 mm oder 350 × 125 mm — jeweils einzeln erhältlich oder als Set mit den beiden passenden Abdeckungen. Den kompletten Einbau zeigt die Anleitung mit Video.

Zwei verwandte Fälle, bei denen eine einzelne Öffnung genügt: die Steckdose hinter dem Nachbarschrank und der Muldenlüfter im Umluftbetrieb.